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Mahnstufen-Eskalation

Während die Sachbearbeitung das operative Mahnen macht (siehe Mahnung erzeugen), ist die Buchhaltungs-Leitung verantwortlich für die Strategie: wie viele Mahnstufen, welche Fristen, wann eskalieren wir zum Inkasso oder zur Klage. Diese Anleitung zeigt Ihnen die Steuerungs-Aspekte.

Wann mache ich das?

  • Bei Strategie-Festlegung für den Mandanten — meist einmalig, dann Pflege.
  • Quartalsweise OP-Review — was waren die größten Eskalations-Fälle?
  • Vor Großkunden-Verhandlungen — Zahlungsziel-Anpassung, Sondervereinbarungen.
  • Bei systematischen Zahlungsausfällen — Strategie überdenken.

Mahnstufen-Stammdaten pflegen

Mahnstufen-Definition öffnen

In den Stammdaten gibt es eine Mahnstufen-Konfiguration — meist im Bereich Customization oder unter Notification-Einstellungen, je nach Mandant.

Pro Mahnstufe definieren Sie:

  • Stufe (1, 2, 3 ...)
  • Tage nach Vorgängerstufe — Wartezeit zwischen den Mahnungen.
  • Mahn-Gebühr in € (zum Beispiel 0 € / 5 € / 10 €).
  • Mahnschreiben-Vorlage — welche Vorlage wird gewählt? Höflich, bestimmt, finale Frist.
  • Verzugszinsen-Berechnung — ja / nein, ab welcher Stufe.

Standard-Schema festlegen

Typisches B2B-Schema in Deutschland:

StufeFrist nach VorgängerGebührCharakterVerzugszinsen
1 Erinnerung7-14 Tage nach Fälligkeit0 €Höflichnein (Kulanz)
2 Mahnung14-21 Tage nach Stufe 15 €Bestimmtja, ab Tag 1
3 Letzte Mahnung14-21 Tage nach Stufe 210 €Frist-Setzungja
Inkassonach Frist Stufe 3externexternextern

Bei B2C oft eine Stufe weniger oder andere Beträge — gesetzliche Mahn-Gebühren-Höhe begrenzt.

Mahn-Prozess pro Kundensegment

Nicht alle Kunden gleich behandeln. Sinnvolle Differenzierung:

KundensegmentMahn-Charakter
Stamm-/Großkunden mit guter BezahlmoralErst telefonisch erinnern, dann erst formelle Mahnung.
Standard-B2BStandard-3-Stufen-Schema.
Risiko-Kunden (vorherige Probleme)Kurze Fristen, schnelle Eskalation.
BehördenLange Fristen — öffentliche Verwaltung zahlt langsam, Insolvenz unwahrscheinlich.
B2CKürzere Stufen, geringere Gebühren (gesetzlich begrenzt).

Diese Differenzierung wird in den Kunden-Stammdaten als Mahn-Profil hinterlegt.

Eskalations-Optionen evaluieren

Wenn Stufe 3 erfolglos bleibt, drei Wege:

1. Inkasso-Büro:

  • Übernimmt Forderung gegen Provision (typisch 15-30%).
  • Schnell, geringer interner Aufwand.
  • Kann Beziehung zum Kunden beschädigen.
  • Geeignet für mittlere Beträge mit unklaren Erfolgsaussichten.

2. Gerichtliches Mahnverfahren:

  • Mahnbescheid über Amtsgericht (Online-Verfahren möglich).
  • Kostengünstig (ca. 30-50 € Gerichtskosten).
  • Wenn Kunde nicht widerspricht: Vollstreckungsbescheid → Pfändung möglich.
  • Geeignet für unstrittige Forderungen.

3. Klage / Prozess:

  • Bei strittigen Forderungen oder hohen Beträgen.
  • Anwaltskosten + Gerichtskosten — nur bei Erfolgs-Aussicht sinnvoll.
  • Lange Dauer (6-18 Monate).

4. Forderung abschreiben:

  • Bei Insolvenz oder unauffindbarem Schuldner.
  • Steuerlich: Wertberichtigung möglich.
  • Forderung trotzdem im SpeamCore beibehalten als „uneinbringlich" für Audit.

Reporting und Steuerung

Monatlich:

  • Top-10-Schuldner — Fokus-Liste mit Geschäftsführung besprechen.
  • DSO (Days Sales Outstanding) — durchschnittliche Außenstands-Tage. Trend?
  • Mahn-Statistik — wie viele Mahnungen in welcher Stufe? Eskalations-Quote?
  • Verluste / Wertberichtigungen — kumulativ.

Quartalsweise:

  • Bonität-Review für Großkunden.
  • Strategische Anpassungen — Mahnstufen-Schema überdenken bei systematischen Problemen.

Weg 2 — Eskalations-Übersicht per KI-Chat

Beispiel-Prompts:

Welche Kunden sind aktuell in Mahnstufe 3 oder höher? Mit Gesamt-Volumen,
Anzahl Posten, Datum der ersten Mahnung. Sortiert nach Volumen absteigend.
Bonität-Risiko-Übersicht Top-20-Kunden: Zahlungsverhalten der letzten
12 Monate, durchschnittliche Tage zur Zahlung, Mahnstufen-Historie,
aktueller offener Betrag.

Was tue ich, wenn etwas schiefgeht?

Tipps aus der Praxis

  • Eskalation transparent dokumentieren — pro Großeskalation ein internes Memo mit Datum, Betrag, Maßnahme. Wichtig für Audit und Lerneffekte.
  • Lehren aus Inkasso-Fällen — pro abgeschlossenem Inkasso analysieren: was lief schief? Bonität-Prüfung verschärfen?
  • Bonität-Vorab-Prüfung — bei Neukunden ab Schwellwert (zum Beispiel 5.000 € Auftragsvolumen) Auskunft einholen. Spart spätere Mahn-Schmerzen.
  • DSO-Ziel formulieren — Geschäftsführung definiert Ziel-Außenstand (zum Beispiel < 35 Tage). Mahn-Strategie darauf ausrichten.

Verwandte Tutorials

Für Admins: technische Details
  • Mahnstufen-Stammdaten: pro Mandant in Customization-Modul oder dediziertem ReminderLevels-Modul. Felder: level, daysAfterDue, feeAmount, templateId, interestEnabled.
  • Mahn-Profil pro Kunde: Feld Customer.reminderProfileId zeigt auf ein Profil (Standard / Großkunde / Risiko / Behörde / B2C).
  • Inkasso-Anbindung: aktuell nicht direkt integriert, Export von Forderungs-Listen als CSV / Excel möglich.
  • Wertberichtigung: separates Konto im Konten-Stamm; Buchung als Sachbuchung mit Verknüpfung zum offenen Posten.
  • DSO-Berechnung: Backend-Endpoint /business-analysis/dso mit aktuellem Kunden-Außenstand.
  • CASL: update:CustomerOpenItem (Statuswechsel zu „uneinbringlich"), view:Customer, update:Customer für Mahn-Profil.